Wortlos

Ergebnisse des DEUTSCH-TSCHECHISCHEN COMIC-SYMPOSIUMS IN KLENOVÁ

Vernissage:      06. Februar 2026, 18:00
Dauer:               07. Februar bis 29. März 2025
geöffnet:           Samstag und Sonntag jeweils 14:00 bis 18:00
                         und nach Vereinbarung
Ort:                   Aktions- und Schauraum des Comicmuseums Erlangen e.V.

Begleitprogramm

Comic-Workshop für Groß und Klein mit Martin Schütz

Datum:           06. Februar 15:00 – 17:00
Ort:                 Aktions- und Schauraum des Comicmuseums Erlangen e.V.
Anmeldung:    info@comic-museum.org

Kurzer Text zur Ausstellung

Wortlos war der Name des neuen (sechsten) Jahrgangs des Comic-Symposiums, das 2025 in Klenová stattfand wird. Während bei früheren Jahrgängen Comics mit tschechischen und deutschen Texten in Sprechblasen erstellt wurden, die dann übersetzt wurden (tschechische Texte ins Deutsche und umgekehrt), damit die Besucher aus der Tschechischen Republik und Deutschland die Comics verstehen konnten, war dieser Jahrgang wortlos. Die Comic-Künstler erhielten die Aufgabe, einen fünfseitigen Comic aus der heutigen Zeit zu erstellen, in dem sie die Handlung nur mit ihren zeichnerischen Fähigkeiten einfangen sollten. Wir wollen darauf hinweisen, dass wir uns manchmal auch ohne Worte verstehen können, und dass dies manchmal der einfachste und schnellste Weg sein kann, sich zu verständigen, selbst wenn man die unterschiedlichen Sprachen berücksichtigt.

Bild: Barbora Voštinková

Kurzer Text zum Workshop

Unter Anleitung des Comic-Künstlers Martin Schütz lernen die Teilnehmer wie ein Comic-Strip entsteht – vom Entwurf über das Storyboard bis hin zum fertigen Comic.

Im praktischen Teil lassen wir uns von den Comicgeschichten der Ausstellung inspirieren und erstellen unsere eigenen kurzen Comics – mit oder ohne Worte. Das gesamte Material wird gestellt, Sie müssen nur gute Laune und Lust zum Gestalten mitbringen!

Martin Schütz (* 1998 in Prag)
Die Ladislav-Sutnar-Fakultät für Design und Kunst gilt seit vielen Jahren inoffiziell als das führende Ausbildungsinstitut für die talentiertesten tschechischen Comiczeichner und Illustratoren – was sich auch an der Vielzahl von Absolvent*innen zeigt, die im Laufe eines Jahrzehnts an unseren Symposien teilgenommen haben. Einer der diesjährigen Teilnehmer, Martin Schütz, wurde im vergangenen Jahr mit seiner Bachelorarbeit Trať (Die Strecke) mit dem Muriel-Preis in der Kategorie Magnesia-Preis für den besten studentischen Comic ausgezeichnet. Derzeit absolviert er ein Masterstudium an derselben Hochschule und arbeitet an einem weiteren Comicprojekt gemeinsam mit Ondřej Kavalír, der als Drehbuchautor und Redakteur der Zeitschrift Raketa tätig ist. Außerdem schreibt er das Drehbuch für einen Dark-Fantasy-Comic und entwickelt Konzepte für Videospiele. Er lebt und arbeitet in Pilsen.

Ausführliche Beschreibung

Das Tschechisch-Deutsche Comic-Symposium feiert heuer sein erstes Jahrzehnt. 2015 trafen sich in der Villa Paula in Klenová zum ersten Mal neun Comiczeichner aus Tschechien und Deutschland, um ein neues Kapitel der Gegenwart aufzuschlagen. Kosmopolitische Zeiten, frei von Vorurteilen und Angst vor dem Unbekannten oder Fremden. Es ist kein Zufall, dass wir als erstes Thema die Geschichten aus unserer gemeinsamen Geschichte gewählt haben, in denen sich das Leben und der Tod unserer Helden an den Grenzen des Eisernen Vorhangs überschnitten. Dieser gewaltsame Bruch zwischen dem Territorium der Freiheit und dem Territorium des Totalitarismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vervollständigte die langfristige Zerrüttung der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen und bestimmte die Form ihres eigenen Lebens – gewaltsam abgebrochene Beziehungen, vereitelte Rückkehr oder Versuche der Wiedervereinigung…

Seit 2015 treffen wir uns alle zwei Jahre am gleichen Ort. Heuer ist es das sechste Mal, und auch wenn Englisch paradoxerweise die am häufigsten gesprochene Sprache bei diesem Treffen ist, können wir am Ende des Symposiums immer sagen, dass wir uns nicht nur durch verbalen Konsens, sondern auch ohne Worte verstehen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Tschechisch-Deutschen Comic-Symposiums haben wir daher beschlossen, ein übergreifendes Thema zu wählen, das die Idee, die uns zur Gründung des Symposiums geführt hat, aufgreifen kann. Die Idee ist, nach gemeinsamen Themen zwischen Tschechen und Deutschen zu suchen, zwei Nationen mit einer gemeinsamen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in denen wir uns hoffentlich wieder ohne Worte verstehen werden.

Geschichten ohne Sprechblasen sind eine der schwierigsten Disziplinen des Comics. Es erfordert viel Arbeit für einen Filmemacher, eine Geschichte ohne Worte so zu konstruieren und darzustellen, dass sie verständlich ist, ohne ihren Schwung und Witz zu verlieren. Und zwar nicht nur für den Schöpfer, sondern auch für den Leser, der sich die Geschichte vorstellt, sie errät und sogar einen Teil seiner eigenen Vorstellungskraft in die Geschichte einbringt und so im Grunde zum Mitschöpfer wird. Das Lesen wird so de facto zu einem eigenständigen kreativen Prozess.

Und wie haben die einzelnen Schöpfer eine so schwierige und diesmal auch unbegrenzte Aufgabe bewältigt? Wir sind sehr froh, dass wir uns in diesem Jahr über die Qualität der Comics keine Illusionen machen müssen, auch wenn wieder ein großer Prozentsatz von Absolventen oder Studenten an dem Symposium teilgenommen hat. Eines dieser jungen Talente ist Kristýna Skoumalová, die in ihrer Geschichte Inspiration sich selbst und ihre Beziehung zum künstlerischen Schaffen, zur Natur, die sie inspiriert, und zu ihrer eigenen Fantasie voller magischer Märchenfiguren offenbart. Die Hauptfigur der Kurzgeschichte ohne Worte Brouk v hlavě (Käfer im Kopf) einer anderen Schülerin Tereza Voštinková verwandelte sich ebenfalls in ein ähnliches Märchenwesen. In einer fast kafkaesken surrealen Geschichte verwischt der Autor die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, genau wie ein anderer Autor, Moritz von Wolzogen. Moritz führte uns mit seinem Comic Střípky (Scherbchen)tief in seine schwer fassbaren Erinnerungen, die er mit einem übergreifenden Zitat der Schriftstellerin Ilse Aichinger einleitete: „Die Erinnerung splittert leicht, wenn man sie zu beherrschen versucht.“ Auf amüsante Weise hat auch die Comic-Geschichte Apfelbaumkinder indirekt mit der Erinnerung zu tun, in der Gregor Hinz explizit und doch auf andere Weise heimlich (und ohne Worte) das Motiv der Liebe zur Kunst, zum Alkohol und zu seinen Mitmenschen aufgreift. Auch Max Hrstka ging die Aufgabe mit Humor an. So konnte er sich in seiner wortlosen Geschichte voll und ganz auf den epischen Kampf in den Eingeweiden des zerbrochenen Karmas konzentrieren, nicht nur in der materiellen, sondern auch in der geistigen Dimension. Die Autorin Burcu Türker hat eine Unterwasserwelt als bestimmenden Schauplatz für die Erzählung ohne Worte (aber nicht ohne Blasen) gewählt, die uns nach und nach mit ihrer Farbenpracht verschlingt, genau wie die Fische der Hauptfigur. Auch in der Geschichte von Tereza Šiklová wird uns die Umgebung mit der Hauptfigur verschlingen. Bei Šiklová handelt es sich jedoch von einer Sommernacht, die uns aus verschiedenen Gründen oft zur Schlaflosigkeit verleitet – seien es die Geräusche, die aus einem offenen Fenster dringen, oder die tropische Hitze, die zwischen den heißen Wänden einer Wohnung eingeklemmt ist… Auch Helena Baumeister wählte für ihre Geschichte das Motiv einer schlaflosen Nacht, der keine Hitze, sondern eine tiefe Partnerkrise vorausging. Die wortlose Nacht inspirierte auch den letzten Teilnehmer Martin Schütz. In seiner Darstellung wird eine scheinbar banale Fahrt in einem abendlichen Bus voller gleichgültiger „mobiler Zombies“ zu einer geheimnisvollen Begegnung an der Grenze zwischen Realität und Traum.

Bild: Moritz von Wohlzogen

Comicschaffende: Helena Baumeister, Gregor Hinz, Maxmilián Hrstka, Martin Schütz, Kristýna Skoumalová, Tereza Šiklová, Burcu Türker, Barbora Voštinková, Moritz von Wolzogen

Kuratoren: Petra Mazáčová, Michal Lazorčík, Václav Šlajch

Fachberater: Pavel Kořínek

Grafik: Jan Chabr

Organisation für CeBB: David Vereš

Organisation für TZM: Frances Jackson

Organisation für Ladislav-Sutnar-Fakultät für Design und Kunst der Westböhmischen Universität,: Václav Šlajch

Organisation für dem Verein Comicmuseum Erlangen e.V.: Lisa Neun

Překlad / Übersetzung: PROFIPŘEKLADETEL S.R.O

Edukační programy / Bildungsprogramme: Vlasta Hrabětová, Jana Lazorčíková

Unterstützung

Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds

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